Von der Bedeutung der Pariser Straßennamen in der Französischen Revolution - Das Erbe des Ancien Régime
Der Streit um die Straßennamen in Paris nahm seinen Anfang in der Französischen Revolution und zog sich durch das gesamte 19. Jhdt. Die Helden der Revolution waren aber die ersten, die den Akt der Straßen(-um-)benennung gezielt und auch in größerem Rahmen für ideologisch-didaktische Zwecke nützten, die im Ancien Régime erst sporadisch aufgekommen waren. Der städtische Raum sollte gezielt mit einem gewünschten Sinn erfüllt werden, spontane Namensgebungen sollten vermieden werden.
Die Straßennamen, von Louis XIV als Mittel königlicher Repräsentation entdeckt, erfuhren schon bald nach Beginn der Revolution ihre erneute Instrumentalisierung; es entbrannte ein wahrer Sturmlauf gegen die alten Herrschaftszeichen.
In den Revolutionsjahren trugen daher viele Straßennamen revolutionäre Schlagworte im Namen, auch zum Gedenken vieler grands hommes wurden mit Straßen nach ihnen benannt. Dazu wurden vorrangig Straßen mit royalistischen oder religiösen Namen entsprechend umbenannt, zum Beispiel die rue Notre-Dame in rue de la Raison, la place de l’Oratoire in place de la Liberté, rue Princesse in rue de la Justice, rue Montmartre in rue Mont Marat, rue de la Chaussée d’Antin in rue Mirabeau, wobei letztere bereits 1792 nach dem Sturz des gleichnamigen Marquis in rue du Mont Blanc umbenannt wurde.
Während die erste Vorgabe einer großflächigen Verbreitung der revolutionären Ideale im Stadtplan als erfüllt angesehen werden darf, ist man mit der zweiten glorios gescheitert; gerade im Überschwang der Gefühle waren spontane, unkoordinierte Namensgebungen ein wiederkehrendes Element. Es mag die Revolutionäre wohl nur wenig trösten, dass auch die Regierungen nach ihnen dieses Problem lange Zeit nicht in den Griff bekommen haben. Zum Ausmaß der Umbenennungen seien einige Zahlen genannt: In Paris kam es zwischen 1790 und 1875 zu mehr als 1200 Änderungen im Straßenverzeichnis. Nach der Französischen Revolution bestand Paris aus 1337 Straßen, Plätzen, Wegen und dergleichen. Auch 50 Jahre später in der Zweiten Republik war der Straßennamenskataster von Paris mit insgesamt 1474 Ortsbezeichnungen nur wenig gewachsen. Man könnte daher sagen, dass im genannten Zeitraum nahezu jede einzelne Straße einen neuen Namen erhielt.
Freilich sah die Realität anders aus. Während manche Viertel weitgehend unbehelligt blieben, erfuhren vor allem repräsentative Straßen und Plätze eine wahre Hochschaubahn in ihren Bezeichnungen. Um die historischen Geschehnisse besser nachvollziehen zu können, wollen wir uns zunächst die Ausgangssituation im Ancien Régime ansehen.
Paris war seit dem Mittelalter deutlich gewachsen, auch so mancher Vorort war von der Stadt geschluckt worden. Neuansiedlungen erfolgten in weitgehend unkoordiniert gebauten Häusern, denen dann erst die entsprechenden Straßen folgten, die sie mit dem nächstgelegenen schon bestehenden Teil von Paris verbanden. So kam es, dass manche Wege Namen erhielten, die bereits an andere Straßen vergeben waren, es war aber genauso möglich, dass eine Straße über längere Zeit gar keinen eigenen Namen bekam. Im Straßenverzeichnis von Francois Colletet von 1722 finden sich für etwa 200 Straßen mehrfache Bezeichnungen, wobei die Namen meistens komplett unterschiedlich voneinander waren. Kurz vor der Revolution im Jahr 1785 trugen alleine 45 Straßen den Namen „rue neuve“.
Vor allem im Zentrum gab es viele enge, dunkle, teils unbenannte, teils doppelt benannte Straßen – ein Reform der Namensgebung war daher dringend nötig, um Handel und Reisenden bessere Orientierung zu verschaffen. Es kursierten oft verschiedene Namen für dieselben Straßen oder Plätze im Volk. Eine erste Innovation war die Einführung von Straßenschildern im Jahr 1728, die von den meisten Bürgern sehr begrüßt wurde. Über diese Schilder werde ich in einem gesonderten Beitrag noch näher informieren. Davon abgesehen begnügte sich das Ancien Régime jedoch damit, sich eigene Andenken durch repräsentative Straßennamen im Stadtbild zu setzen, die im vorigen Beitrag bereits geschildert wurden, eine Totalreform war nicht vorgesehen.
Die Straßennamen, von Louis XIV als Mittel königlicher Repräsentation entdeckt, erfuhren schon bald nach Beginn der Revolution ihre erneute Instrumentalisierung; es entbrannte ein wahrer Sturmlauf gegen die alten Herrschaftszeichen.
In den Revolutionsjahren trugen daher viele Straßennamen revolutionäre Schlagworte im Namen, auch zum Gedenken vieler grands hommes wurden mit Straßen nach ihnen benannt. Dazu wurden vorrangig Straßen mit royalistischen oder religiösen Namen entsprechend umbenannt, zum Beispiel die rue Notre-Dame in rue de la Raison, la place de l’Oratoire in place de la Liberté, rue Princesse in rue de la Justice, rue Montmartre in rue Mont Marat, rue de la Chaussée d’Antin in rue Mirabeau, wobei letztere bereits 1792 nach dem Sturz des gleichnamigen Marquis in rue du Mont Blanc umbenannt wurde.
Während die erste Vorgabe einer großflächigen Verbreitung der revolutionären Ideale im Stadtplan als erfüllt angesehen werden darf, ist man mit der zweiten glorios gescheitert; gerade im Überschwang der Gefühle waren spontane, unkoordinierte Namensgebungen ein wiederkehrendes Element. Es mag die Revolutionäre wohl nur wenig trösten, dass auch die Regierungen nach ihnen dieses Problem lange Zeit nicht in den Griff bekommen haben. Zum Ausmaß der Umbenennungen seien einige Zahlen genannt: In Paris kam es zwischen 1790 und 1875 zu mehr als 1200 Änderungen im Straßenverzeichnis. Nach der Französischen Revolution bestand Paris aus 1337 Straßen, Plätzen, Wegen und dergleichen. Auch 50 Jahre später in der Zweiten Republik war der Straßennamenskataster von Paris mit insgesamt 1474 Ortsbezeichnungen nur wenig gewachsen. Man könnte daher sagen, dass im genannten Zeitraum nahezu jede einzelne Straße einen neuen Namen erhielt.
Freilich sah die Realität anders aus. Während manche Viertel weitgehend unbehelligt blieben, erfuhren vor allem repräsentative Straßen und Plätze eine wahre Hochschaubahn in ihren Bezeichnungen. Um die historischen Geschehnisse besser nachvollziehen zu können, wollen wir uns zunächst die Ausgangssituation im Ancien Régime ansehen.
Paris war seit dem Mittelalter deutlich gewachsen, auch so mancher Vorort war von der Stadt geschluckt worden. Neuansiedlungen erfolgten in weitgehend unkoordiniert gebauten Häusern, denen dann erst die entsprechenden Straßen folgten, die sie mit dem nächstgelegenen schon bestehenden Teil von Paris verbanden. So kam es, dass manche Wege Namen erhielten, die bereits an andere Straßen vergeben waren, es war aber genauso möglich, dass eine Straße über längere Zeit gar keinen eigenen Namen bekam. Im Straßenverzeichnis von Francois Colletet von 1722 finden sich für etwa 200 Straßen mehrfache Bezeichnungen, wobei die Namen meistens komplett unterschiedlich voneinander waren. Kurz vor der Revolution im Jahr 1785 trugen alleine 45 Straßen den Namen „rue neuve“.
Vor allem im Zentrum gab es viele enge, dunkle, teils unbenannte, teils doppelt benannte Straßen – ein Reform der Namensgebung war daher dringend nötig, um Handel und Reisenden bessere Orientierung zu verschaffen. Es kursierten oft verschiedene Namen für dieselben Straßen oder Plätze im Volk. Eine erste Innovation war die Einführung von Straßenschildern im Jahr 1728, die von den meisten Bürgern sehr begrüßt wurde. Über diese Schilder werde ich in einem gesonderten Beitrag noch näher informieren. Davon abgesehen begnügte sich das Ancien Régime jedoch damit, sich eigene Andenken durch repräsentative Straßennamen im Stadtbild zu setzen, die im vorigen Beitrag bereits geschildert wurden, eine Totalreform war nicht vorgesehen.
rue_novilot - 24. Aug, 18:40
